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Arno

Selbsttherapie - das Stottern entmachten

Seit einigen Jahren bin ich Mitglied in der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe. Ich habe in dieser Zeit mehrere Seminare besucht und einige sehr interessante Bücher über das Stottern gelesen. Dabei habe ich mich zum Experten in eigener Sache gemacht, und dadurch mein Sprechen erheblich verbessert, so dass ich in den meisten Sprechsituationen fließend geworden bin, ohne Sprechtechniken oder Vermeidungsverhalten.

Ich bin unheimlich froh, dass es die Bundesvereinigung gibt, denn was ich in dieser Zeit erlebt habe ist für mich fast wie ein Wunder. Vorher wusste ich nicht, dass man sein Sprechen verbessern kann und habe zum Teil stark gestottert und sehr darunter gelitten. Mittlerweile vertrete ich die Meinung, dass das Stottern ganz heilbar ist, wenn man konsequent an der Sache bleibt.

Die Behandlung des Stotterns besteht zum überwiegenden Teil aus Selbsttherapie. Ein Therapeut oder ein Seminarleiter kann einem den Weg weisen, aber gehen muss man ihn selber. Verbesserungen treten nur dann auf, wenn man bereit ist, Änderungen an seinem Verhalten vorzunehmen.

Die fünf Pfeiler der Selbsttherapie sind für mich:

1. Selbsthilfegruppe
2. Seminare
3. Literatur
4. Übungen
5. Umsetzung

Den ersten wichtigen Schritt habe ich durch den Eintritt in eine Selbsthilfegruppe getan. Hier werden unter anderem Sprechübungen und Rollenspiele gemacht, Vorträge werden gehalten, und damit viele Ängste abgebaut. Die aktive Mitarbeit in der Selbsthilfegruppe beinhaltet eine sehr gute Möglichkeit sich ständig weiter zu entwickeln. Ich kann mich noch gut an meine ängstlichen Gehversuche in der Selbsthilfegruppe erinnern. Durch den regelmäßigen Besuch bin ich praktisch nebenbei selbstsicherer geworden, obwohl mir das gar nicht direkt bewusst geworden ist. Erst im Zurückschauen habe ich die Verbesserungen in meinem Verhalten registriert.

An den Seminaren schätze ich vor allem die praktischen Übungen und die Möglichkeit andere Stotterer kennen zu lernen. Von den besuchten Seminaren möchte ich vier erwähnen.

Mein erstes und wohl wichtigstes Seminar war ein Naturmethode-Seminar. (Bericht im Kieselstein 11/97.) Ab diesem Zeitpunkt hat für mich praktisch ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Hier wurde ganz einfach erklärt und vorgeführt wie die natürlich richtige Sprechweise abläuft, und wie man durch einfache Änderungen in seiner Sprechweise zu einem flüssigen Sprechen kommt.

Das Seminar "Ich bin ich und nicht nur ein Stotterer" hat mich dazu gebracht mehr aus mir heraus zu kommen und auf andere zuzugehen.

Dann das Rhetorik-Seminar; vor jedem Auftritt vor der Gruppe waren viele Ängste auszustehen, aber danach war man um so stolzer auf sich selbst, wenn die Aufgabe bewältigt wurde. Interessant war dabei auch die Erkenntnis, dass die nicht stotternden Teilnehmer ähnliche Ängste hatten.

Zuletzt das Hausdörfer-Seminar: natürlich sprechen ohne Anwendung von Sprechtechnik und ohne Eingriff in das Stottern. Das setzte allem die Krone auf.

In den Selbsttherapie-Büchern, die von der Bundesvereinigung veröffentlicht wurden, ist alles enthalten, was man über das Stottern und seine Behandlung wissen muss. Durch die Aneignung von theoretischem Wissen erhält man die Einsicht in die Zusammenhänge, und kann dadurch bewusst ungünstige Sprechgewohnheiten abbauen. Die Autoren haben alle selber gestottert und kennen sich bestens aus.

Erwähnen möchte ich hier das Buch "Selbsttherapie für Stotterer" von Malcolm Fraser. Er erklärt in seinen 12 Grundregeln auf einfache Weise wie eine Selbsttherapie aussehen kann.

Die wichtigste Sache nach den Seminarbesuchen und dem Aneignen von Wissen war für mich das regelmäßige Üben zu Hause und in der Selbsthilfegruppe. Wer wirklich vorhat, sein Stottern zu verbessern, wird in der Anfangsphase daran nicht vorbeikommen, unabhängig vom Therapieansatz. Dabei muss man sich immer wieder neu motivieren, damit man mit nachlassendem Leidensdruck die Arbeit an sich selbst nicht vernachlässigt.

Mit der Umsetzung in den Alltag folgte ohne Zweifel der schwierigste Teil der Selbsthilfearbeit. Es ist nicht einfach, den Widerstand gegen gewohnte Sprech- und Denkweisen aufzugeben. Auch wenn sich hier Euphorie, Rückfälle und Zweifel abwechselten, sind nach und nach nie erwartete Verbesserungen aufgetreten. Das Selbstvertrauen wurde gestärkt, und die Angst vor dem Stottern hat beträchtlich nachgelassen; zum einen, weil ich in den meisten Sprechsituationen fließend geworden bin, und zum andern, weil mir Unflüssigkeiten in schwierigeren Sprechsituationen nicht mehr so viel ausmachten. Auch mein Vermeidungsverhalten konnte ich dadurch nach und nach abbauen.

Im weitern Verlauf der Selbsttherapie wird das tägliche Gespräch zur Übung und das Üben zu Hause nimmt keinen so großen Stellenwert mehr ein.

Mittlerweile ist die Arbeit am Stottern für mich zu einer sehr interessanten Sache, ja sogar zum Hobby geworden. Es lohnt sich, daran zu arbeiten. Auch wenn ich mein Ziel, nämlich die Symptomfreiheit in allen Sprechsituationen, noch nicht erreicht habe, so wurde das Stottern doch zum größten Teil entmachtet. Ich weiß, dass ich schon weiter sein könnte, wenn ich konsequenter an mir gearbeitet hätte, und nicht immer wieder in alte Sprechgewohnheiten zurückgefallen wäre.

Als sehr wichtig sehe ich auch das Thema Autosuggestion an. Mithilfe der positiven Selbstbeeinflussung kann man sehr viel erreichen. Wenn ich alleine bin kann ich fließend sprechen. In Gegenwart einer zweiten Person wird das Sprechen von gefühlsmäßigen und gedanklichen Einblendungen begleitet, die den Sprechprozess verändern. Diese negativen Vorstellungen sind fest in unserem Unterbewusstsein verankert, können aber durch bewusstes Herbeiführen von Gegenvorstellungen aufgehoben werden.

Wichtig war für mich, dass ich erkannt habe, dass ich für meine Heilung nicht andere verantwortlich machen kann sondern selbst aktiv wurde und die mir angebotenen Möglichkeiten wahrgenommen habe, auch ohne Besuch eines Therapeuten.

Ich habe meinen Weg kurz dargestellt. Da mir die Selbsthilfe soviel gebracht hat, und es mein Wunsch ist, dass andere auch davon profitieren, vermittle ich auf Seminaren meine Erfahrungen weiter.

Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

Die Bundesvereinigung (BVSS) ist der Interessenverbund stotternder Menschen in Deutschland und hat über 1200 Mitglieder. Alle Mitglieder mit Wohnsitz in Baden-Württemberg sind gleichzeitig Mitglied im Landesverband Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg.

Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg e.V.

Der Landesverband unterstützt die Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg und bietet Seminare an. Gemeinsam mit der BVSS ist das Ziel, die Lebenssituation stotternder Menschen zu verbessern und dem Entstehen von Stottern entgegenzuwirken.

Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.

Die Bundesvereinigung (BVSS) ist der Interessenverbund stotternder Menschen in Deutschland und hat über 1200 Mitglieder. Alle Mitglieder mit Wohnsitz in Baden-Württemberg sind gleichzeitig Mitglied im Landesverband Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg.

Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg e.V.

Der Landesverband unterstützt die Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg und bietet Seminare an. Gemeinsam mit der BVSS ist das Ziel, die Lebenssituation stotternder Menschen zu verbessern und dem Entstehen von Stottern entgegenzuwirken.